Lorelei „Déferlantes“

Lorelei „Déferlantes“ LP/CD
(fire and flames/ Casual Records

Lorelei sind eine noch recht junge Band aus dem
französischen Nancy, die hier ihr Debut präsentiert.
Alles schön wütend und energiegeladen und mit
weiblichem Gesang. Nicht ganz so rotzig wie bei
Jeunesse Apatride, nicht ganz so dynamisch wie
Brixton Cats oder La Fraction wird hier dennoch
ein solides Album abgeliefert. Die Texte drehen sich
um das tägliche kapitalistische Elend bei dem Umwelt
und Mensch zugrunde gehen, und sind durchaus nicht
oberflächlich oder parolenhaft. Das finde ich sehr angenehm.
Lorelei sind kein Plagiat und liefern uns nicht
Allthergebrachtes sondern haben eigenes Profil.
Wo Lorelei politisch stehen deutet auch ein großes Bild
der französischen Anarchistin Louise Michel an,
im Hintergrund der abgedruckten Texte.
Gesungen wird typischerweise natürlich in Französisch.
Es gibt aber Übersetzungen der Texte ins Englische.
Interessant ist auch, das hier Mitglieder von
Streets of Rage mit am Start sind.
Leider gibt es wohl diese Band nicht mehr. Schade.
Hoffen wir, das es von Lorelei auf jeden Fall noch mehr zu hören gibt.
Schön auch, das der LP gleich auch eine CD beiliegt.

Blitz „all out attack“ 7″

Blitz „all out attack“ 7″
(mad butcher)

Wiedermal die Neuveröffentlichung eines
alten Klassikers bei Mad Butcher. Auch wenn
das Release schon wieder eine ganze Weile her ist,
erscheint sie mir doch einer Erwähnung wert.
Die Single kam ursprünglich 1981 auf No Future Records
heraus und war das Debut von Blitz. Einer Band,
die heute zu den wichtigsten Einflüssen für Oi! Musik zählt.
Wer also keine Lust hat sich auf e-bay nach dem
Orginal umzusehen, kommt hier auf seine Kosten.
Die Songs „someones gonna die“, „attack“, „fight to live“
und „45 revolutions“ sind Klassiker und gehören in jede Plattensammlung.

Burger Weekends „fat mutation“ LP

Burger Weekends „fat mutation“ LP
(wanda records/unterschichten records)

Burger Weekends sind drei Kerle und ein Mädel,
kommen aus Osnabrück und spielen flotten und
abwechslungsreichen Pop Punk. Einige Bandmitglieder
kennt man auch von den musikalisch ähnlich gelagerten
The Sentiments. Von denen stammt zudem der Song
„lady suicide“, den man hier auf der Platte mit verarbeitet hat.
Läuft alles auf jeden Fall gut durch. Alle Songs zünden und
verbreiten echt gute Laune. Lediglich mit dem
balladenhaften „love song“ und dem melancholischen
„run run run“ bringt man uns wieder etwas runter.
Das Leben ist schließlich auch nicht nur Zuckerschlecken, ne?
Eine Textbeilage gibts leider nicht, aber Song Titel wie
„girl are you sure“, „little blitzkrieggirl“,
„love song“, „my baby“ ,
„red haired girl“, „prison girl“
oder „drama mama“ legen Nahe, das hier
vor allem die Damenwelt für Inspiration sorgte.
Schönes Teil. Jetzt muss es nur noch Sommer werden.
Ach ja, und das Cover der LP ist echt super schick!

Les Trois Huit – LTH CD (fire and flames)

Les Trois Huit – LTH CD (fire and flames)

Les Trois Huit sind eine seit 2013 bestehende
Streetpunk Kapelle aus Frankreich. Genauer gesagt
aus der Alpenstadt Grenoble. Was hier aus den Boxen
dröhnt erinnert mich sofort an Brigada Flores Magon.
Zumal es sich hier um ebenfalls um eine Redskin Band handelt.
Allerdings erreicht man musikalisch noch nicht ganz deren Klasse.
Hin und wieder rumpelt es noch etwas. Songs wie „uni-e-s“
oder „travailler“ sind aber schon echte Hits. Les Trois Huit haben Potenzial.
Nebenbei sind hier auch zwei Cover Versionen mit drauf:
von Les Partisans „pas de quartier“, ein Song der in
der LTH Version um einiges ruppiger rüberkommt,
und „Birra“ von Bull Brigade, der im Orginal schon so ruppig ist,
das die Band hier keinen mehr draufsetzen konnte. Trotzdem schön umgesetzt.
Und so ein wenig Italienisch zwischendurch ist ja für eine
französische Platte auch nicht gerade Standart.
Echt feine Sache. Ein bischen Luft nach oben haben
Les Trois Huit zwar noch, aber falsch macht man hier nichts.
Ich hoffe von der Band noch viel zu hören!

Bull Brigade im Interview

Bull Brigade aus Turin gehören sicherlich zu
den bekanntesten Oi!-Bands Italiens.
Und da Sänger Eugenio zuvor
schon bei Youngang aktiv war, einer sehr guten,
linksgerichteten Streetpunk-Kapelle,
erhielt ihr Debut-Album „Strade Smarrite“
im Jahre 2008 gleich große Aufmerksamkeit,
und kreiste des öfteren auf meinem Plattenteller.
In den Folgejahren wurde es dann wieder etwas ruhiger.
Hin und wieder tauchten Bull Brigade auf diversen
Konzertflyern auf, die Band blieb
also immer irgendwie präsent, aber ein neues Album
war lange nicht in Sicht. Das ändert sich nun!
Bull Brigade melden sich mit mit neuen Material.
Ihr neues Album erscheint in Kürze – eine willkommene Gelegenheit also
um mit einem kleinen Interview mal ein paar Infos locker zu machen.

CB: Gleich zu Anfang: Wenn ich an Bull Brigade denke,
erinnere ich mich auch an „Youngang“. Ebenfalls eine großartige Band.
Aber sie haben sich aufgelöst, bevor Bull Brigade richtig gestartet sind. Oder?
Kannst du mir etwas über die Gründe erzählen Youngang zu
beenden und mit Bull Brigade zu starten?

Eugenio: Wir reden da über zwei unterschiedliche Projekte.
Ich habe im Jahre 2010 aufgehört mit Youngang zu spielen,
aus persönlichen Gründen, hinsichtlich zeitbedingter Veränderungen.
Bull Brigade begann sich zu etwas wirklich Ernsthaftem zu entwickeln und
ich hatte nicht die Zeit und Energie beide Projekte richtig zu verfolgen.
So habe ich das ausgewählt, was sich aus einer Reihe von
Gründen mehr als das „meine“ anfühlte.

CB: Das letzte Bull Brigade Album „Strade Smarrite“ wurde
2008 veröffentlicht. Warum hat es so lange gedauert,
bis jetzt ein neues Album kommt?

Eugenio: Das ist unsere persönliche Entscheidung, basierend auf unserer Einstellung:
Wir schreiben nur neue Songs, wenn wir etwas zu sagen haben und
die Motivation sehr hoch ist. Wir versuchen lieber weniger Dinge zu tun,
diese dafür dann aber richtig.

CB: So eine lange Zeit verändert Menschen, also auch Musiker.
Was wird uns auf dem neuen Album erwarten,
und welche Unterschiede siehst du zu „Strade Smarite“?

Eugenio: Das ist jetzt das beste Line Up in dem ich jeh gespielt habe,
während meiner ganzen Zeit in der Szene..Federico von „S-Contro“,
Luigi von „Gavroche“ und Yehudi von „Crunch“ sind in die Band gekommen
und brachten einen unglaublichen Schwung an Power und Technik.
Um über unseren Sound zu sprechen: eins ist sicher, er wird sich von
Strade Smarrite unterscheiden. Aber die Qualität des Endproduktes
wird sicher von der Präsens dieser großartigen Musiker und Brüder beeinflusst werden.

CB: Ihr werdet euer Album als DIYS -Release veröffentlichen.
Warum habt ihr diesen Weg der Veröffentlichung gewählt?

Eugenio: Gut, wir haben überlegt das es nun nach all den Jahren
die wir überall in Europa verbracht haben die richtige Zeit für uns ist,
an der Erfahrung einer Eigenproduktion teilzuhaben.
Die Platte wird von uns selbst veröffentlicht, aber offiziell vertrieben von Leuten
mit denen wir schon lange Zeit zusammenarbeiten:
Fire and Flames für Deutschland, Casual Records für Frankreich, Anfibio Records für Italien.
Potencial Hardcore für Spanien und Dure Realité für Kanada.

CB: Die Band Infa Riot. Ich habe gesehen ihr habt mit ihnen, Cockney Rejects und anderen in Madrid gespielt.
Im Jahre 2011. Ich hab aber auch gehört das Angelic Upstarts mal nicht Infa Riot spielen wollten,
weil Barry Damery (Infa Riot) auch Teil eines Projektes
namens „Balefire“ war, zusammen mit Pete Roper von der rechten Band Retaliator.
Was denkt ihr/wisst ihr darüber? Gab es Backstage irgendeinen Kontakt zu Infa Riot?
Was ist los mit diesen Typen? Es war eine großartige Band als sie angefangen haben.
Und jetzt arbeiten sie mit rechten Wichsern zusammen?

Eugenio: Es ist immer schwer solche Situationen zu beurteilen wenn
man tausend Meilen entfernt ist, in diesem Fall wussten wir überhaupt nichts darüber.
Es passiert hin und wieder das solche Dinge verdreht oder falsch dargestellt werden.
Wir haben öfter mit Infa Riot gespielt, aber wir keinen der Leute persönlich, #
die in diese Sache verwickelt sind. Da Angelic Upstarts so eine Entscheidung treffen,
dann scheint dem etwas Konkretes zugrunde zu liegen.
Wenn wir die Chance haben Infa Riot nochmal zu treffen
werden wir versuchen der Story nachzugehen.

CB: Bull Brigade kommen aus Turin.
Dort gab es vor einiger Zeit einen schweren Unfall in einer Produktionsstätte von Thyssen,
wobei viele Arbeiter zu Tode kamen. Die Firma hatte den Arbeitsschutz zugunsten
des Profits vernachlässigt. (Lumpen aus Cosenca haben einen Song darüber gemacht).
Könnt ihr mir mehr erzählen? Die Fabrik ist ja jetzt geschlossen.
Wie ist die Situation für die Arbeiterklasse in Turin?
(Es ist ja eine alte Industrie Stadt. Große Firmen wie Fiat und Lancia wurden dort gegründet.)

Eugenio: Der Unfall in der Thyssen Stahlfrabrik war ein großer Schock
für unsere Stadt und das ganze Land. Unglücklicherweise hat sich die italienische
Arbeitswelt sehr stark verschlechtert. Ein Arbeiter zu sein in diesen Tagen bedeutet
mit einer Realität konfrontiert zu sein, in der die meisten Leute bereit sind,
jegliche Arbeitsbedingungen ohne Widerstand zu akzeptieren. Themen wie
Arbeitsschutz und Bezahlung rücken immer mehr in den Hintergrund.
Dank der geistigen Armut konzentrieren die Arbeiter ihren Frust auf Immigranten
ohne sich der wirklichen Probleme bewusst zu werden, die unser System verseuchen.
Turin ist eine der am meisten industrialisierten Städte Italiens,
war der Ausgangspunkt von Protesten und Aufständen während
der siebziger Jahre, und hat einen großen Beitrag zur Entstehung von Bewegungen geleistet,
die in eine außerparlamentarische Linke übergingen und
soziale Kämpfe auf das höchste Level unserer Geschichten brachten.

CB: Flüchtlinge! Ein großes Thema in alllen Medien in Deutschland derzeit.
Und die rechten Arschlöcher dominieren die Debatte.
Sie reden permanent von den hohen Kosten, Flüchtlinge zerstören Jobs,
wären alle kriminell und solcher Dreck. Was denkt ihr? Wie ist die Situation in Italien?

Eugenio: Die Flüchtlingsfrage ist sehr präsent in Italien.. täglich hörst du Neuigkeiten
über Flüchtlingsboote die in den südlichen Gewässern des Landes sinken, mit hunderten
von Opfern und Anderen die auf See verschwinden. Auch hier findet der
politische Dreck seinen Weg für seine Unterstellungen in diesen dramatischen Geschehnissen…
wir denken das die Regierungen ihre Verantwortung für diese humanitäre Katastrophe
erkennen müssen und die Leute sollten ihre Augen öffnen, und beginnen, Unterstützung und Solidarität zu zeigen.

CB: Konzerte? Zukunftspläne? Letzte Worte?

Eugenio: Wir werden am 12. März zum ersten Mal in Berlin spielen, im Schokoladen,
und wir hoffen viele von euch zu sehen!!! Herzlichen dank an dein fantastisches Fanzine
für den Platz und die Unterstüzung. Umarmungen für alle.