Stumplin Pins – common angst (CD)

Stumplin Pins – common angst (CD)
plastic bomb records / fire and flames

Um es gleich vorwegzuschicken: die Pins aus Kiel haben sich enorm weiterentwickelt!
Auch wenn das für meinereiner im Grunde nicht nötig gewesen wäre,
denn ihr erstes Album „aged colours and behaviours“ hatte mich seinerzeit (ca. 2011) mächtig begeistert,
und ich kann mich nicht erinnern, darauf irgend etwas vermisst zu haben.
Doch nun besteht das Leben nun mal aus Veränderung. Das wäre ja sonst auch langweilig, oder?
Insgesamt ist das Ganze hier musikalisch viel ausgefeilter und tiefgründiger geworden.
Da muss man sich erstmal reinhören.
So griffige Songs die sich gleich beim ersten mal Hören im Ohr festsetzen, wie z.B. „aged colours and behaviours“,
„on the roads to nowhere“ oder „generation fear“ von der ersten LP fand ich hier nicht.
Es hat etwas gedauert, bis der Funke übergesprungen ist. Doch Qualität setzt sich durch.
Die charismatische Stimme des Sängers ist geblieben und es gibt ordentlich Druck,
Abwechslung und wirklich schöne Chöre. Auch die Texte sind kritisch wie eh und jeh.
Ein gutes Album, mit deutlich mehr Tiefgang,
das bei jedem erneuten Hören mehr an Stärke gewinnt. (garcin)

Flag Smasher /CD-R (Eigenproduktion)

(http://flagsmasher.blogsport.de)

Flag Smasher bestehen aus zwei Punks und zwei Skinheads und stammen aus Leipzig.
Wider erwarten ist eine Band, die zwei Skinheads im Line Up hat, nicht unbedingt eine Oi!/Streetpunk Band.
Ein Vorurteil mit dem Flag Smasher wohl öfters zu tun haben. (Wenn ich ihre Bandvorstellung im Proud to be Punk so lese)
Aber die Leipziger machen Hardcore Punk, und das mit ordentlich Power.
So kommt es auch das die hier enthaltenen 10 Songs in ca. 19 Minuten heruntergeknüppelt sind.
So macht Hardcore Spass, gelle?. Zudem machen Flag Smasher gute Texte.
Auch das „Red and Anarchist Skinheads“ Logo im beigelegten Textblatt zeigt, wo die Band politisch steht.
Die Songtitel sind zuweilen in Englisch, die Texte aber auf Deutsch gehalten.
Meine Anspieltipps wären „Oi! Its Class War“, „No Attitude“, „Reclaim Your Life“,
„Die Rechten zu Boden“ und nicht zuletzt „Wagner“,
wo man sich dem Kult um den Komponisten Richard Wagner widersetzt, der in Leipzig zur Zeit wohl neue Blüten schlägt.
Eigentlich unglaublich, wenn man bedenkt, das der sich schon zu Lebzeiten keine Mühe gab,
seinen Antisemitismus zu verstecken. Die von ihm verfasste Hetzbroschüre
„Der Jude in der Musik“ wurde von ihm selbst auch aktiv publiziert und verbreitet.
Da gibt es nun wirklich keine Zweifel, das der Mann auf den Müll gehört.
Also eine schöne CD-R, die zwar nur im Pappschuber, aber gut gestaltet,
mit kompletten Textblatt und in Vinyl Optik daherkommt. Ihr werdet es nicht bereuen.

Action Sédition/Bull Brigade „Hértiers des luttes d´hier, militants d´aurourd´hui“ Split10″

Action Sédition/Bull Brigade „Hértiers des luttes d´hier, militants d´aurourd´hui“ Split10″

Für diese feine Produktion haben sich Casual records (Frankreich), Anfibio (Italien) ,
Fire and Flames (Deutschland), sowie Rebel Time und Duré Realité (Kanada) zusammengeworfen.
Alles sehr International also. Der französische Titel bedeutet übersetzt:
„Erben der Kämpfe von gestern, Millitante von heute“. Das macht auch gleich symphatisch.
Insgesamt 5 Songs sind auf der 10″. Und sowohl Action Sédition aus Kanada
als auch die Italiener von Bull Brigade covern jeweils einen alten Brigada Flores Magon Klassiker.
Action Sédition „Octubre 61″, ein Song der ein brutales Polizeimassaker an Algeriern in Paris 1961 zum Inhalt hat,
und Bull Brigade das hymnenhafte „Pour ma classe“. Sicher einer der bekantesten Songs von Brigada.
Beide Cover kann man als gelungen bejubeln. Klingt alles sehr nach dem Orginal
(da gibts ja auch nicht mehr viel zu verbessern), hat aber durch den jeweiligen Gesang eine eigene Note und wirkt frisch und energiegelaen.
So haucht man alten Klassikern neues Leben ein.
Action Sédition liefern hier noch mit „Sous la branche d´olivier“ einen eigenen Song ab, der bisher nunveröffentlicht war .
Von Bull Brigade gibts hier „motorcity“ und „Perduto Amore“ von ihrem letzten Album zu hören, um die Sache abzurunden.
Eine feine Sache für die Sammlung – und ein MUSS für Bigada Flores Magon Fans! Überhaupt frage ich mich gerade,
nachdem auch Brigadier auf ihrer letzten EP einen Brigada Song gecovert haben,
ob es nicht mal Zeit wäre für einen BFM Tribut Sampler..
(garcin)

Bull Brigade „Vita Libertà“

Bull Brigade „Vita Libertà“
(Eigenproduktion)

Nun ist es da, das neue Bull Brigade Album.
Acht Jahre haben sich die Italiener Zeit damit gelassen.
Aber es hat sich gelohnt. Zwar sind nur 8 Songs auf
dem Tonträger enthalten, aber die hauen gut rein.
Gemäß der Devise Qualität vor Qantität. Und durch
Eugenio´s charismatischen Gesang erkennt man
Bull Brigade auch sofort wieder. Trotz des langen
Zeitraumes zwischen den Aufnahmen und trotz der
Tatsache, das, bis auf den Sänger, vom Line Up des
Vorgänger Albums „strade smaritte“ niemand mehr dabei ist.
Die Platte klingt frisch, energiegeladen und abwechslungsreich.
Beim Song P.S.M. genehmigt man sich sogar einen kleinen
Ausflug in Hip Hop Gefilde. (Unterstützt von einem Rapper namens Aban)!
Es geht inhaltlich um den täglichen Kampf mit dem
Kapitalismus, um Zusammenhalt und Solidarität, nicht nur,
aber eben auch in einer grauen Industriestadt wie Turin,
der man mit „Motorcity“ auch einen Song gewidmet hat.
Meine Anspieltips wären ansonsten noch: „pirati del po“
und der Titelsong „vita libertà“.

Lorelei „Déferlantes“

Lorelei „Déferlantes“ LP/CD
(fire and flames/ Casual Records

Lorelei sind eine noch recht junge Band aus dem
französischen Nancy, die hier ihr Debut präsentiert.
Alles schön wütend und energiegeladen und mit
weiblichem Gesang. Nicht ganz so rotzig wie bei
Jeunesse Apatride, nicht ganz so dynamisch wie
Brixton Cats oder La Fraction wird hier dennoch
ein solides Album abgeliefert. Die Texte drehen sich
um das tägliche kapitalistische Elend bei dem Umwelt
und Mensch zugrunde gehen, und sind durchaus nicht
oberflächlich oder parolenhaft. Das finde ich sehr angenehm.
Lorelei sind kein Plagiat und liefern uns nicht
Allthergebrachtes sondern haben eigenes Profil.
Wo Lorelei politisch stehen deutet auch ein großes Bild
der französischen Anarchistin Louise Michel an,
im Hintergrund der abgedruckten Texte.
Gesungen wird typischerweise natürlich in Französisch.
Es gibt aber Übersetzungen der Texte ins Englische.
Interessant ist auch, das hier Mitglieder von
Streets of Rage mit am Start sind.
Leider gibt es wohl diese Band nicht mehr. Schade.
Hoffen wir, das es von Lorelei auf jeden Fall noch mehr zu hören gibt.
Schön auch, das der LP gleich auch eine CD beiliegt.