Tonträger Reviews

Fontanelle „Noi!e Eindrücke“ LP (riot bike)

Fontanelle „Noi!e Eindrücke“ LP (riot bike)

„in dieser Zeit der Rechtspopulisten, Im Paradies der Kapitalisten,
Durchgesetzt vom Bullenstaat..“ zitire ich jetzt mal gleich einleitend
aus dem Song „R.A.S.H.“. Ja in einer solchen Zeit sieht man, was die
Loite um einen herum wert sind. Leider reagieren die meisten
Skinheads heutzutage eher mit Hirn wegsaufen, Realitätsflucht..
oder passen sich dem Rechtstrend offen an, dreschen ihrerseits
AfD Parolen und halten das Ganze auch noch für Rebellion.
Für Fontanelle gilt das zum Glück nicht. Hier heißt Skinhead
wirklich Klassenkampf, Antifaschismus wird ernst genommen.
Und man schafft es auch noch das Ganze musikalisch richtig gut zu
verpacken. Schade das es diese Aufnahmen noch nicht gab,
als ich dabei war den „Smash Capitalism“ Sampler zusammenzustellen.
Denn diese Band hätte ich definitiv gern drauf gehabt.
Übrigens präzisiert der Song „Noi!e Eindrücke“ textlich nochmal
sehr anschaulich, wie der Albumtitel zu verstehen ist, und auch andere
Songs wie „Meine Pflicht“ oder „Verläbbert“ zeigen, das die Jungs
aus Leipzig auch Humor haben. So muss Oi! sein!!!!
Für linke Skinheads ist das hier eh ein Pflichtkauf.
Und für alle Anderen sind Fontanelle leider viiiiel zu radikal.
Aber das ist ja gerade das Gute an dieser Band.
(garcin)

84Breakdown „Schule des Lebens“ CD / Eigenproduktion

84Breakdown „Schule des Lebens“ CD / Eigenproduktion

Neues aus dem Ruhrpott. Ich kann mich noch gut an die
Vorgänger-CD „Luft nach oben“ erinnern, von der auch
ein Song auf den „Smash Capitalism“ Sampler fand.
Nun haben 84Breakdown wieder etwas Neues am Start.
Wieder selbstproduziert! Also entweder wollen die Label
von den Ruhrpottlern nichts wissen, oder umgekehrt.
Wie auch immer, 8 Songs sind drauf. Aufgenommen halt
im bandeigenen Proberaum. Dementsprechend rumpelt es leider,
was zwar dem Punkrock-Faktor keinen Abbruch tut, aber oft zu
Lasten der Textverständlichkeit geht, und mich auch gleich daran erinnert,
hier die fehlende Textbeilage zu beklagen.
Und wenn ich schon mal am meckern bin:
die Band hat sich zwar Mühe gegeben aus dem Thema „Schule des Lebens“
ein komplettes Konzept für den Tonträger zu schaffen, indem zwischen den
Liedern immer kurze Sequenzen quasi „aus dem Klassenzimmer“ eingespielt werden.
Aber irgendwie will das nicht richtig zünden. Keine Ahnung woran das liegt.
Man muss zwar manchmal kurz schmunzeln, z.B. wenn in gelangweilt leiernder
Stimme die Definition von Gentrifizierung runtergerasselt wird, aber im
Großen und Ganzen wäre die CD auch ohne ausgekommen.
Das ist es aber auch schon, was es hier zu bekritteln gibt.
Die Songs an sich gefallen mir wieder sehr gut. Mit „8 Stunden“ und
„Exportweltmeister“ gibts gleich zu Anfang das volle Working Class Programm,
wofür ich immer zu haben bin. Und auch der Rest kann sich hören lassen.
Mein persönliches Highlight ist „Saufen im Park“. Eine anti Gentrifizierungshymne
der etwas prolligeren Art. Musikalisch für mich der Song mit der größten
Durchschlagkraft auf der CD. Auch den
anti-AFD/PEGIDA Song „früher war alles besser“ will ich hier nicht unerwähnt lassen.
Fazit: sympathische Leute, glaubwürdige Texte und starke Songs.
Das weckt bei mir den Wunsch das jemand diese Band wirklich mal in ein
professionelles Studio jagt, damit man das Ganze
in richtig geiler Qualität zu Hören bekommt.

Cartouche „a venir“ (CD) (fire and flames)

Cartouche „a venir“ (CD) (fire and flames)

Bei Cartouche erinnere ich mich sofort wieder an ihren
Auftritt in der Friedrichshainer Supamolly sowie ihre
Platte: „A Corps Perdu“, wo unter anderem auch eine
Coverversion des jiddischen Partisanensongs
„zog mit keynmol“ enthalten war.
(Nebernbei bemerkt war die Bassistin von Carouche auch mal bei Brigade Flores Magon.
Wobei ich hier keinen musikalischen Vergleich ziehen kann und will.)
Nun kommt nach einer gefühlten Ewigkeit eine neue Platte daher.
Und auch die weiß zu überzeugen. Vom Punkrock hat man sich
aber noch ein gutes Stück weiter entfernt. Zumindest musikalisch,
denn die Texte sind rebellisch wie eh und jeh. Die eher rockigen
Kompositionen und eine melodische Stimme von Sängerin Geraldine passen einfach gut zusammen.
Auch an jüdischer Lyrik hat man sich wieder versucht.
Diesmal an einem Gedicht von Morris Rosenfeld, der 1862 in Russland geboren,
später in die USA emigrierte. Seine Werke handelten häufig über das harte Schicksal
ostjüdischer Einwander in New York. So auch das hier verarbeitete: „My resting place“.
Komplett in Englisch verfasst. Ich hab jetzt gerade mal keine Ahnung ob das Gedicht im
Orginal auch in Englisch war , da Rosenfeld bevorzugt in Jiddisch schrieb.
Ist aber auch nicht so wirklich wichtig.Schöne Platte für alle, die es auch mal etwas rockiger mögen.

Contra Real „Keine Kompromisse“ 7″

Contra Real „Keine Kompromisse“ 7″

Contra Real waren mir dem Namen her schon länmger bekannt.
Aber diese 7″ ist die erste der Band, die den Weg auf meinen
Plattenteller gefunden hat. Geboten wird einfach getrickter Punk Rock
mit aggresiven politischen Texten in deutscher Sprache. Vor allen inhaltlich
überzeugt mich die Platte voll. „Retter des Abendlandes“ oder
„Produktivität und Verfügbarkeit“ greifen gute und wichtige Themen auf.
Mit „Keine Kompromisse“ gibts auch nochmal einen Song gegen Grauzone Indioten,
„Außer Kontrolle“geht gegen den Überwachungsstaat und „G20=Sachschaden“
muss man wohl auch nicht erklären. Der Text setzt vor allem auf Millitanz.
Insgesamt eine schöne Veröffentlichung. Wie schon gesagt musikalisch einfach
gehalten und ohne Schnörkel. Kann man sich zulegen, das Teil!

Les Partisans „Rallumer tous les soleils“ CD (fire and flames)

Les Partisans „Rallumer tous les soleils“ CD (fire and flames)

Um die Les Partisans rumorte es ja schon eine ganze Weile wieder. ,
Und nach einer Split 7″ mit Inciters und der Single „Le sourire aux lèvres“ auf
Casual Records ist es nun soweit: Ein komplett neues Album der
Redskin Legende aus Lyon liegt vor mir. 9 Songs sind drauf. 6 davon neu,
die andreren drei bereits von zuvor erwähnten Singles bekannt.
Das schmälert die Freude aber nicht im geringsten. Nach all den
Jahren ist es wirklich erstaunlich, das sie überhaupt nichts von ihrer
Stärke und Energie verloren haben. Einzig für den Oi!-Puristen ist das hier nix.
Zum melodischen Streetpunk ihrer Anfangstage sind die Partisanen auch
hier nicht zurückgekehrt, sondern machen durchgängig mit dem souligen
Sound weiter, mit dem sie ihrerzeit aufgehört hatten. Hätten die Redskins aus
York französisch gesungen, hätten sie sich genau so angehört! Schön auch
das die Texte im Booklet alle ins Englische übersetzt wurden.
So kann ich sagen das Les Partisans genauso klassenkämperisch
und politisch geblieben sind, wie sie es immer waren.
Damals wie heute ist die Band eine Ausnahmeerscheinung!.