Archiv für Februar 2015

Artificial Eyes „I just want a brand new revolution“ (CD/Riot Bike)

Artificial Eyes „I just want a brand new revolution“ (CD / Riot Bike)

Da ist sie endlich. Die neue Platte von Artificial Eyes.
Es ist zwar inzwischen schon die Zweite, aber die Erste mit dem neuem Line Up,
welches Tanio, (ehemals Die Oi!Genz),
Micha (ehemals Freiboiter),
Benno (Wärters Schlechte) und
Fabi, zuvor Schlagzeuger der Produzenten der Froide, umfasst.
Es hat sich also einiges verändert. Logisch, das man da gespannt ist.
Und eine gewisse Vorfreude hegt. Denn die politische Stoßrichtung dürfte
weiterhin klar sein, zumal der Titel „I just want a brand-new revolution“
ja mehr als symphatisch ist. Die Erwartungen werden nicht entäuscht.
AE hauen uns hier 10 x klasse Oi! Punk um die Ohren. Und sie greifen dabei Themen auf,
bei denen andere Oi! Bands sich sich feig.. äh vorehm zurückhalten.
Antifaschismus, Antikapitalismus, Gentrifizierung und gegen die Grauzone!
Deutsche und englische Texte halten sich dabei in etwa die Wage.
Und ein bischen gecovert wird auch. „We`re the Boys“, ein alter Freiboiter Klassiker,
hat es in neuer Aufnahme nochmal auf die Platte geschafft.
Auch den Song „Steril“ gab es schon mal – von Die Oi!Genz.
Und „Little Rich Boy“ von den legendären Sham 69 wird gemixt
mit „Der Kampf geht weiter“ von Ton Steine Scherben (!!!).
Das ist schon eher ungewöhnlich – und gelingt besser, als man es im
ersten Moment für möglich hält. Sehr schöne Scheibe!
Für linke Skinheads ohnehin ein Pflichtkauf. Mehr davon!

(garcin)

Gloomster „Nägel mit Köpfen“ (LP/ Riot Bike)

Gloomster “ Nägel mit Köpfen“ (LP / Riot Bike)

Inzwischen dürften Gloomster vielen Leuten geläufig sein.
Hardcore Punk mit politischen Texten. Beim Review der letzten
LP (ich glaub 2013) der Truppe aus Eisenach hatte ich noch geschrieben,
das mir die Texte teilweise etwas sehr allgemein gehalten sind.
Das lässt sich von „Nägel mit Köpfen“ nicht behaupten.
Der Song „Haselnuss“ trifft im Zuge jüngerer Ereignisse besonders
meinen Nerv. Da bekommt nämlich ein Volksmusiksänger sein
Fett weg, wobei Gloomster Äußerungen unterlassen, die jemand
anders bereits 20 000 Euro gekostet haben. Große klasse finde
ich auch „Radikal aufgesetzt“, wo es heißt „Es ist schön,
das ihr Zeit und Geld für Bildung habt, doch denkt mal an den,
der Tag für Tag auf dem Bau hängt“. Das hat mich auch schon
oft gestört, die Arroganz von Teilen der Universitätslinken
gegenüber der einfachen Arbeiterklasse.
„Ihr habt dem Kapitalismus den Kampf angesagt,
doch wer soll mit euch kämpfen, all jene die davon profitieren,
oder Menschen die darunter leiden“. Gut gesagt!
Mein Lieblingstext ist allerdings: „Sie wollen euch K(G)riechen sehen“.
Starker Song, der die brutalen Sparmaßnahmen gegen die
einfache griechische Bevölkerung zum Thema hat. In Anbetracht der
sozialen Angriffe und gerade auch der Rolle der
deutschen Regierung (und der deutschen Banken) dabei,
hatte ich sowas hierzulande vermisst.
„Ungleichheiten wachsen weiter, wer nichts hat wird nichts mehr kriegen,
Bürgerrechte abgebaut, willkommen im Armenhaus der westlichen Welt“.
Klare Ansage! Im Grunde nicht nur für Griechenland aktuell.
Bei „Hart mit Hirn“ fordert man zudem unterstützenswerter
Weise „put some politics back in your hardcore“.
Lediglich bei „Selbstvernichtung“ fehlt mir kurz der Faden.
Ach ja, bei „Spiegel der Wahrheit“ geht es um Antisemitismus
in der linken Szene. Kann man so stehen lassen.
Auch wenn ich gerade in der Auseinandersetzung um die
Politik Israels immer das Gefühl hatte, das dieser Vorwurf oft
zu leichtfertig und von verschiedenen Seiten sogar bewusst falsch erhoben wird,
um Kritik zu unterdrücken. Ich gehe aber mal davon aus,
das Gloomster nicht zu diesen Leuten gehören. Starke Platte also.
Musikalisch hatte ich ja schon beim letzten Mal nichts zu bemängeln,
habe aber auch hier das Gefühl, das die Songs ausgefeilter geworden sind.

(garcin)