Wasted Youth – Interwiew

Hallo! Ihr kommt gerade von eurer UK Tour zurück. Wie wars?
Jetzt, wo die Erinnerungen noch frisch sind: Was war euer bestes Erlebnis auf dieser Tour?
Auf was hättet ihr lieber verzichtet?

Im Prinzip kann man sagen dass jeder Tag und jede Stadt ihre Erlebnisse und Erinnerung für sich hatten,
da gibt es natürlich für jeden seine persönlichen highlights aber jetzt wirklich was
rausstechendes gabs nicht wir hatten überall unsern Spaß und haben einen haufen cooler Leute kennengelernt.
In Manchester Joe von Infilitrate the System Records zb ein super Kerl der einiges organisiert und
veranstaltet oder die Band Shithouse aus London, hammer freaks die wissen wie man feiert und natürlich
unsere alten Freunde the Wakes die uns 2 Tage in Glasgow ertragen mussten :) Erlebnisse gab es zu
Hauf ob es nur das Erlebniss ist in England Konzerte zu spielen wo einiges anders läuft als in Deutschland
und man als Band doch eher auf sich alleine gestellt sein kann und sich das Hostel halt mal sucht und aus
eigener Tasche bezahlen muss, bei Roddy Moreno auf dem Sofa zu sitzen und Kaffee zu schlürfen oder
Suffgeschichten bei denen man durch die Straßen gejagt wird und sich dann 2 Stunden im Busch
verkriecht um dann rauszufinden das man 2 Häuser vom Schlafplatz entfernt ist. Alles in allem war
die Tour ein voller Erfolg und wir würden nächstes Jahr gerne wieder zurück auf die Insel.

 
Könnt ihr eure Bandgeschichte nochmal kurz zusammenfassen? Wann gegründet, welche Einflüsse?
Besetzungswechsel! (Unter anderem ist wohl der Smily (PdF) bei euch eingestiegen, der ja kein Unbekannter in der Szene ist).

Kurz zusammenfassen ist gut… Uns gibts jetzt seit 5 Jahren vom Anfang sind nur noch Simon und
Felix übrig, wobei Simon am Anfang Bass spielte aber jetzt den Brüllaffe gibt. Am Anfang haben wir
diverse mal die Besetzung gewechselt das wäre jetzt zu viel alles aufzuzählen. Da wir schon immer eine
Band waren die recht viel spielt und vor allem auch lange Wege in kauft nimmt war es immer problematisch
Leute zu finden die Bock darauf haben und gleichzeitig auch noch zu uns passen. Irgendwann mussten
wir uns dann von unserem Sänger Chris trennen und Simon hat den Job übernommen mehr oder
weniger gleichzeitig hat Jens auch bei uns an der Gitarre angefangen und ist seit dem fester bestandteil.
In unseren Augen bzw Ohren hat sich das auf jedenfall bezahlt gemacht. Dann überspringen wir
einfach mal ein Teil bis zu dem Zeitpunkt wo Smily ins Spiel kommt, bevor er in Knast kam war er
ab und zu unser Fahrer und Trinkbruder. Als er dann rauskam brach PDF auseinander, da dachten
wir und er Kapazitäten offen zu haben und so hat er bei uns angefangen und ein Konzert mit uns gespielt.
Uns wurde aber allen ziemlich schnell klar dass es zeitlich nicht wirklich hinhaut da Smily mit Uni und
Politkram bis über beide Ohren in Arbeit steckt darauf haben wir uns darauf geeinigt dass er wieder
Fahrer und Trinkbruder wird. Unsere Einflüsse sind schwer zu sagen wir hören alle alles mögliche an
Musik und wollen uns eigentlich auch nicht auf ein Genre festnageln lassen. Es geht auf jedenfall richtung
Hardcore Punk wo man die Anfänge mancher New York HC Bands sehen kann, gepaart mit Bands
wie Guerilla, Brigada Flores Magon und ähnliches kommt dann eventuell das raus was wir machen
aber ich tu mir da immer schwer damit uns selbst einzuschätzen.

 
Eure bisherigen Platten kamen auf anderen Labels raus. Diffidati und Fire and Flames.
(Beide sind ja im Moment wohl nicht mehr aktiv). Wie kamt ihr nun zu True Rebel bzw. Casual Records?

 
Das stimmt nur halb ;) Unser erstes Album Stay Free kam schon auf Casual Records raus, zusammen mit Diffidati.
Wir hatten immer freundschaftlichen Kontakt mit Diffidati Records und es war auch alles cool, wir hatten nie
vor das Label zu wechseln aber dann wurde die Geschichte immer seltsammer und endete darin dass wir die Single
auf Fire and Flames rausgebracht haben, da war dann wohl auch schon die Luft raus er hat sie rausgebracht aber
Werbung und ähnliches haben wir nie irgendwo gesehen, was solls hauptsache die Single wurde veröffentlicht.
Zu True Rebel kamen wir über unseren alten Freund und Kupferstecher Rude Knud aka Hansi der sein Zweitwohnsitz in Hamburg hat.
Mit ihnen ging dann alles recht fix und wir sind glaube ich auch auf einer Wellenlänge und pflegen mittlerweile ein
freundschaftliches Verhältnis und freuen uns riesig da gelandet zu sein. Mit Casual Records sind wir schon länger befreundet
als es unsere Band gibt von dem her war es keine Frage dass wir auch wieder auf dem Label veröffentlichen wollen.

 
Eure Single „remembering means fighting“. Die ist ja jetzt schon eine ganze Weile draußen.
Was ich immer schon mal wissen wollte: Auf dem Cover ist das Bild eines Mannes und unter dem Titel stehen
die Daten „04.01.1903 – 09.04.1945″. Auf wen bezieht sich das?

Das Bild und die Daten beziehen sich auf Georg Elser, am 8. November 1939 verübte er im Münchener
Bürgerbräukeller ein Bombenattentat gegen Hitler und nahezu die gesamte NS-Führungsspitze. Elser kommt
aus Königsbronn einem Kaff ein paar Kilometer von Schwäbisch Gmünd und ist quasi einer von uns.

 

Ihr habt auch aktuell eine Split Single mit „The Oppressed“ am Start. Könnt ihr dazu was sagen?
Wie kam der Kontakt zu Roddy Moreno zustande?

Der Kontakt zwischen Roddy und mir besteht schon seit fast 10 Jahren, ich hab immer versucht
irgendwie Oppressed in unser Juze Esperanza zu holen , das hatt dann auch irgendwann geklappt,
daraus entstand dann eine Freundschaft zwischen den Bands und wir hatten gemeinsam die Idee die split Single zu machen.

Auf eurer Single mit The Oppressed habt ihr ein NYHC Medley drauf. Den New York Hardcore betreffend, oder?
(Ich hör leider den Text nicht so gut raus) Neben vielen positiven Aspektengab es im
New York Hardcore auch immer, z.B. bei Bands wie Agnostic Front – aber mehr noch bei Warzone,
amerikanischen Patriotismus und stumpfsinnigen Antikommunismus. Wie seht ihr diese Dinge?

Also bei der split ging es uns darum dass sowohl Oppressed als auch wir Bands covern die uns wichtig sind bzw mit denen wir groß geworden sind.
Eigentlich wollten Oppressed nur ein Ramones Lied machen und eins von Bay City Rollers, haben sie dann aber nicht hinbekommen
und haben deswegen 2 Ramones Lieder aufgenommen.
Die Lieder die wir bei dem NYHC medley vermischen sind My Life von Sick of it All, das Lied und der Text spricht uns aus der Seele
und ich halte Sick of it All für eine der intelligenteren NYHC Bands.  Das zweite ist Warzone – Sound of a Revolution, das Lied und
der Text passen herrvorragende auch auf unsere Zeit mit Protesten auf der ganzen Welt und ich denke viele andere neben
uns wurden mit dem Lied groß. Natürlich gibt es sachen zu kritisieren an beiden Bands, vor allem an Warzone. Aber man
muss auch ein bischen sehen woher sie kommen und das haben mir auch RASH Zugehörige aus Amerika bestätigt. Was will man
erwarten wenn man, in den USA, sein ganzes Leben mit antikommunistischer und patriotischer Propaganda vollgeballert wird?
Da ist man schon froh darüber das sowas wie Warzone oder Andere dabei rauskommt. Im großen und ganzen will ich die ganze
NYHC Szene auch nicht verteidigen. Uns ging es um die zwei Lieder die uns begleiten seit dem wir 13 sind und unseren Weg mitgeführt haben.
Lebe dein eigenes Leben, kämpfe auf der Straße für die Revolution ;)

Zu eurer neuen Platte „Knights of the Oppressed“, die ich wirklich fett finde:
Da ihr eine Band seit, die sich zu ihren Texten wirklich Gedanken macht, hätte ich gern ein kurzes Statement von euch zu den einzelnen Songs:

my life

In dem Lied geht es im Grunde um eine „gesunde Fuck-Off-Einstellung“.

knights of the oppressed

Dabei geht es einfach um die Leute die auf den Straßen für ihre Rechte und vor allem für die Rechte der anderen Kämpfen.

no heart for a nation

Es geht darum, dass kein Land durch seine bloße Existenz, seine geschichtliche Vergangenheit oder
wirtschaftliche Position besser oder schlechter ist als andere Länder. Es ist egal welcher Nationalität man
angehört oder in welchem Land man lebt, letztendlich geht es um die einzelnen Menschen und um das was
sie aus ihrem Leben machen – und nicht um die geographischen Grenzen in denen sie geboren werden.

freiheit für smily

Der Titel sagt schon einiges aus, aber es geht nicht nur um Smily sondern vielmehr um das Knastsystem
allgemein und gegen die Kriminalisierung von Antifaschisten/innen und gegen Polizeigewalt und Repression.

under city lights

Wer kennt es nicht, jeden Tag arbeiten, fressen, schlafen. So sieht die herrschende Klasse die Arbeiterklasse gerne.
In dem Lied geht es konkret über die Leute die immer an das System geglaubt haben aber dann irgendwann
alles verloren haben und jetzt ohne perspektive leben müssen.

sleeping with the enemy

Oppressed cover, smash the greyzone

AFA SFC

Antifascist Action Streetfighting Connection, dabei geht es um die unity zwischen verschiedenen Bands und Gruppierungen
im Südwesten, wie zb Enraged Minority, The Maladroits, PDF, wir, The Tony Montanas usw die alle der antifaschistische konsenz
vereint und auch gern mal non verbal gegen das Pack vorgeht.

time of unity

Time of unity is sozusagen die Fortsetzung von fight the scum von unserem ersten Album, der Grauzonen-Scheiß ist und
bleibt der gleiche. Wir haben keinen Bock auf Unity-Scheiß auf Biegen und Brechen. Konkret habe ich den Text geschrieben
als Phil Templer sein fadenscheiniges Statement geschrieben hat dass er ja jetzt so großer Antifaschist ist und alles besser wird
und 2 Wochen später wieder mit der Live and Loud Crew in Facebook geschrieben hat. Action speaks louder than words,
so ein Statement ist schnell geschrieben und heißt nichts solange das Handeln nicht dem angepasst wird,
davor vertrauen und vereinen wir uns mit niemandem

keep on fighting

Vor einiger Zeit wurden Sexismus-Vorwürfe gegen uns erhoben in denen es beispielsweise um das Lied „Hurensohn“ ging.
In dem Thema haben sich viele derart übersensibilisiert, dass z.B. ein Gitarrist in Unterhemd auf der Bühne schon
als sexistisch bezeichnet wird. Die Leute werfen mit dem Begriff wahllos um sich, ohne nach Hintergründen zu fragen.
Darauf haben wir keinen Bock – Sexismus IST scheiße und sollte an den richtigen Stellen verurteilt werden.

religion

Religion an und für sich finden wir ja nicht sooo doll.

pervert bastard

Dabei geht es uns darum das Thema Kinderschänder (ohhohh Tabu!!!) einmal von Links anzugehen und
das Themenfeld nicht nur rechten Bauern zu überlassen. Für uns ist Gewalt an unschuldigen Kindern nicht
hinzunehmen und man muss dagegen vorgehen. Außerdem ist es ein Thema das viele leute bewegt, dadurch können
Nazis leicht neue Sympathisanten gewinnen. Deswegen ist es an uns einen emanzipatorischen weg zu finden mit
dem Thema um zu gehen und die Sache der (Kinds-)vergwaltigung zu kritisieren und zu verurteilen. Man sieht
auch immer wieder, dass es vor allem in den höheren Klassen von machtbesessen Menschen verübt wird,
sei es nun von Priestern oder irgendwelchen Bonzenschweinen.

hurensohn

wir widmen das Lied gern allen Antideutschen, vor allem Oke und Björn aus Halle bzw Magdeburg

enough is enough

Kurz und knapp: Nehmt nicht alles hin, was euch vorgesetzt wird und kämpft!

esperanza

das Lied haben wir zum 10 jährigen Jubiläum unseres Juzes Esperanza geschrieben,
in dem wir Angefangen haben in dem wir groß geworden sind in dem wir unsere Kontakte geknüpft
haben in dem wir proben und ohne das es uns nicht geben würde!!!