„Oi!“ Classic , back on vinyl / Neupressung von „United & Win“ auf Mad Butcher Records!

„Oi!“ Classic , back on vinyl / Neupressung von „United & Win“ auf Mad Butcher Records!

„Vorher hatten wir 2 oder 3 Platten gemacht mit
Texten über Tierversuche, Atomkraft, Apartheit usw.
Daran haben wir auch geglaubt. Aber nach einer
gewissen Zeit dachten wir uns, dass es wenig Sinn
macht immer über die gleichen Themen zu singen.
Müssen wir nicht versuchen auch andere Leute zu erreichen?
Also warum nicht eine Oi!-Platte machen? Deshalb
haben wir diese Platte mit Liedern gegen Faschismus,
Rassismus, Medien, Regierungen und über Einheit für
die „unpolitischen“ Skinheads gemacht. Wir wollten
ihnen damit klarmachen, das es einfach nicht möglich ist,
unpolitisch zu sein. Du kannst nicht sagen, dass du
weder für noch gegen Faschismus bist. Das würde
bedeuten, das du nicht lebst. Wir haben auf die
Rückseite der Platte ganz viele Fotos von uns ohne
Haare gemacht. Das war recht lustig. Unser Fahrer
Ozzy war früher eine kurze Zeit Skinhead. Wir haben
jede Menge Fotos von ihm auf die Platte gepackt,
obwohl er gar nicht in der Band spielte. Das hat
Spass gemacht und diente dazu Skinheads zu ködern, hehe.“

So äußerte sich Oi Polloi Sänger Deek im Sommer 1999
über die „Unite & Win“ Platte, im allseits beliebten
Plastic Bomb. Und so erklärt sich, wie es dazu kommen
konnte, das eine in eher kleinbürgerlichen Gefilden
beheimatete Anarcho-Punk-Band, die mit der Skinheadszene
im Grunde herzlich wenig zu tun hatte, im Jahre 1987
ein astreines Oi!-Album ablieferte. Und das auch noch auf
Roddy Morenos legendärem „Oi!-Records“-Label.
Ganz so an den Haaren herbeigezogen war die Sache,
zumindest musikalisch, natürlich auch nicht, wie Deek
im gleichen Interview durchblicken lässt. „Als wir die
Band gründeten waren wir 14 und haben jede Menge Bands
wie Cockney Rejects, Blitz etc. gehört.“ Dieser musikalische
Einfluss klassischer Oi! Bands ist auf „United & Win“ auf
jeden Fall zu merken. Musikalisch ist das eine starke Platte
und zurecht ein Klassiker des Oi!-Genres. Auch wenn – und
das muss ich immer wieder betonen – Oi Polloi niemals wirklich
eine Oi! Band waren. Man kann ihnen den Etikettenschwindel
mit den vielen Skinhead-Bildern auf der Platte übelnehmen,
aber man muss anerkennen, das sie sich den Skinheads zuwandten
und offensiv die Punks and Skins United-Sache supporteten,
als viele Punks mit den „Glatzen“ nichts mehr zu tun haben
wollten. Auch inhaltlich gibt es weit schlechtere Platten, die
das Oi!-Label für sich beanspruchen. Lediglich der Song
„Commies and Nazis“ ist ein geistiger Tiefpunkt. Sehr sehr
kleinbürgerlich und eine schöne Vorlage für diverse rechtslastige
Grauzone Bands die ja auch gern versuchen, Kommunisten mit
Nazis in einen Topf zu werfen. Wer behauptet, Kommunisten
würden für einen 1-Parteien Staat kämpfen, der beweist nur,
das sein gesamtes Wissen zu diesem Thema offensichtlich aus
der Regenbogenpresse stammt. Da nützt auch der anarchistische
Anspruch nix. Das ist einfach nur dumm. Dennoch bleiben
Oi Polloi bis heute eine der relevantesten Anarcho Punk Bands
und ich bin der Meinung das „United & Win“ einfach schon
deshalb einen festen Platz im Plattenschrank eines jeden
Punk-Rock liebenden Menschen verdient. Auch wenn man sie
(die Band wie die Platte) teilweise kritisch hinterfragen sollte.
Bisher besaß ich das Ganze nur auf CD und ich verspürte keine
Lust einen Haufen Geld für eine der inzwischen raren
Orginalpressungen auszugeben. So kommt mir diese Neupressung
auf Mad Butcher Records sehr gelegen.