Archiv für März 2013

Soliparty für die Mutter und Großmutter von Ivan Khutorskoy aus Moskau am 13.04.2013

Diese Nacht ist der Erinnerung an das Leben und Tod
unseres geliebten Freundes und Genossen
Ivan Khutorskoy, der am 16.11.2009 in Moskau
von Neofaschisten ermordet wurde, gewidmet.
Der Erlös der Veranstaltung geht an Vanyas Mutter
und Großmutter in Moskau, die beide mit einer winzigen
Rente klarkommen müssen.

13.04.2013
19.00 – Syndikat – Weisestr. 56 (Berlin-Neukölln) – Eintritt: Spende

Party mit den Dj’s von Rudy’s Back Sound Anti System (Angers/Fran-kreisch)
& Jewdriver Security Soundsystem (X-Berg), die Euch
1 rabiaten Cocktail aus Anti-Oi, Country/Singer/Songwriter,
Cumbia, Jewish Swing‘n'Twist, Punk, Revolutionary Classwar Classics,
Russkij Chanson, Rockabilly, Rocksteady, Reggay,
Bluebeat & 2 Tone, 60’s Soul, Surf und anderen Verbrechen servieren.
Mit Vodka-Spezialitäten, Häppchen aus der Ex-UdSSR und Cocktailtresen.

love music – hate oidiots!

SoliParty

REDSKA – „Bella Ciao“ 7″ Vinyl

REDSKA – „Bella Ciao“ 7″ Vinyl

Die italienischen Ska-Punk-Helden „Redska“
liefern hier, nur wenige Monate nach ihrem
letzten Studioalbum, gleich mal eine schmucke
EP nach. Den alten Partisanen Klassiker „Bella Ciao“
zu covern ist ja bei italienischen Ska Punk Bands
ohnehin ein beliebter Sport. Aber Redska setzen
noch einen drauf und covern ihn hier bereits zu
zweiten Male. Denn wie die Klugscheißer unter
euch bestimmt wissen werden, war eine Version
des Songs schon auf ihrem ersten Album
„MSSNC“ enthalten.
Allerdings ist das hier nicht die vergleichsweise
mäßige Version aus dem Jahre 2004.
Der Song wurde neu eingespielt, das Tempo deutlich
hochgedreht und dem alten Kampflied nochmal so
richtig neuer Glanz verliehen. Sehr schön.
Abgerundet wird das Ganze durch zwei neue
Lieder, die bisher noch unveröffentlicht waren.
Nämlich „Simile“ und „La Resistenza“. Letzteres
mit Unterstützung der hierzulande recht unbekannten,
ebenfalls aus Italien stammenden, Ska-Core Formation
„NH3″. (Sind laut ihrer Facebookseite Virtus Verona Fans,
damit ihr gleich mal wisst, wo ihr die hinstecken müsst).

Da kann man nix falschmachen!
Rundum gelungene Platte.

(madbutcher)

Artificial Eyes „Revolt“ (LP)

Artificial Eyes „Revolt“ (LP)

Die Artificial Eyes weckten von Anfang an große Erwartungen.
Als sie sich im Mai 2011 gründeten, waren immerhin Loite
dabei, die in anderen Bands schon so Einiges unter Beweis
gestellt hatten. Das Gründungs-Line Up war Micha von den
Freiboitern am Gesang, Marcel von den Stage Bottles an der
Gitarre, Hans (damals Offenders) am Bass und
Joe (The Higgins) am Schlagzeug. Da konnte man in jedem Fall
ein mindestens solides Album erwarten. Und so war ich auch
voller Vorfreude als die Band mit den Aufnahmen begann, und erste Hörproben im Internet bestätigten die hohen Erwartungen. Dann die Verwirrung:
Marcel, Gitarrist bei AE und den Stage Bottles, musste sich
unbedingt mit einem Stomper 98 Mitglied fotografieren lassen.
Aus Protest über die Art und Weise, wie die Grauzone
Diskussion geführt wird. Ich will hier nochmal meine Ansicht
bekräftigen, das Selbiges mit
SICHERHEIT ALLES ANDERE ALS EIN SINNVOLLER
BEITRAG WAR. So stießen AE viele vor den Kopf, und manch einer wandte sich nicht nur von AE, sondern auch gleich von den Stage Bottles ab. Frustriert von
einer verfehlten Solidaritätsgeste mit einer Band, die nicht
umsonst zum Aushängeschild der Grauzone zwischen
„unpolitischen“ Bereich und offen rechten Tendenzen geworden ist.
Insgesamt wurde zu der Angelegenheit allerdings schon an anderer
Stelle genug geschrieben, und ich will hier in erster Linie die
Platte in den Mittelpunkt stellen. Musikalisch wird hier astreiner
Streetpunk geboten, mit der bekannten Stimme von Micha, der
ja auch schon bei den 2009 aufgelösten Freiboitern hin und
wieder am Mikro war. Textlich finde ich vor allem die Songs
„Is this combat rock“ und „revolt“ sehr gelungen, weil sie deutliche
Systemkritik enthalten die über einfaches Antifa-Gepose hinausgeht.
Das vermisse ich manchmal bei anderen Bands. Sehr schön.
Musikalisch muss ich hier „still not loving“ hervorheben.
Hier gehts um die zu Recht wenig beliebten Ordnungshüter.
Das ist ein Kracher der schnell im Gehörgang hängen bleibt,
und den dann so schnell nicht mehr verlassen will.
So ist „Revolt“ eine sehr gute Platte geworden, an der auch,
als Gast/Background Sänger, Fabi und Smily von
Produzenten der Froide, Jogges von Empowerment und Leute v
on Guerilla beteiligt waren. Menschen also, die sich, wie auch
Bassist Hans (der die Band nach besagten Foto aus Protest verließ),
in Punkto Grauzone keine Vorwürfe machen müssen.
Die Platte erschien ausschließlich auf Vinyl, in 250er Auflage
und ist in erster Linie bei der Band direkt erhältlich.
Interessant ist noch, das Artificial Eyes nun in verändertem
Line Up weitermachen. Marcel ist nicht mehr dabei.
Aber dafür Fabi, von den Produzenten der Froide (Schlagzeug),
Benno (Wärters Schlechte) und Tanjo (Gesang),
vormals Mitglied von „Oigenz“, stiegen ein.
Vor allem Letzterer ist schon eine kleine Sensation,
denn die Oigenz waren echt eine wirklich starke Band,
der man einen gewissen Kultstatus zugestehen kann.

(Artificial Eyes Records)

„Oi!“ Classic , back on vinyl / Neupressung von „United & Win“ auf Mad Butcher Records!

„Oi!“ Classic , back on vinyl / Neupressung von „United & Win“ auf Mad Butcher Records!

„Vorher hatten wir 2 oder 3 Platten gemacht mit
Texten über Tierversuche, Atomkraft, Apartheit usw.
Daran haben wir auch geglaubt. Aber nach einer
gewissen Zeit dachten wir uns, dass es wenig Sinn
macht immer über die gleichen Themen zu singen.
Müssen wir nicht versuchen auch andere Leute zu erreichen?
Also warum nicht eine Oi!-Platte machen? Deshalb
haben wir diese Platte mit Liedern gegen Faschismus,
Rassismus, Medien, Regierungen und über Einheit für
die „unpolitischen“ Skinheads gemacht. Wir wollten
ihnen damit klarmachen, das es einfach nicht möglich ist,
unpolitisch zu sein. Du kannst nicht sagen, dass du
weder für noch gegen Faschismus bist. Das würde
bedeuten, das du nicht lebst. Wir haben auf die
Rückseite der Platte ganz viele Fotos von uns ohne
Haare gemacht. Das war recht lustig. Unser Fahrer
Ozzy war früher eine kurze Zeit Skinhead. Wir haben
jede Menge Fotos von ihm auf die Platte gepackt,
obwohl er gar nicht in der Band spielte. Das hat
Spass gemacht und diente dazu Skinheads zu ködern, hehe.“

So äußerte sich Oi Polloi Sänger Deek im Sommer 1999
über die „Unite & Win“ Platte, im allseits beliebten
Plastic Bomb. Und so erklärt sich, wie es dazu kommen
konnte, das eine in eher kleinbürgerlichen Gefilden
beheimatete Anarcho-Punk-Band, die mit der Skinheadszene
im Grunde herzlich wenig zu tun hatte, im Jahre 1987
ein astreines Oi!-Album ablieferte. Und das auch noch auf
Roddy Morenos legendärem „Oi!-Records“-Label.
Ganz so an den Haaren herbeigezogen war die Sache,
zumindest musikalisch, natürlich auch nicht, wie Deek
im gleichen Interview durchblicken lässt. „Als wir die
Band gründeten waren wir 14 und haben jede Menge Bands
wie Cockney Rejects, Blitz etc. gehört.“ Dieser musikalische
Einfluss klassischer Oi! Bands ist auf „United & Win“ auf
jeden Fall zu merken. Musikalisch ist das eine starke Platte
und zurecht ein Klassiker des Oi!-Genres. Auch wenn – und
das muss ich immer wieder betonen – Oi Polloi niemals wirklich
eine Oi! Band waren. Man kann ihnen den Etikettenschwindel
mit den vielen Skinhead-Bildern auf der Platte übelnehmen,
aber man muss anerkennen, das sie sich den Skinheads zuwandten
und offensiv die Punks and Skins United-Sache supporteten,
als viele Punks mit den „Glatzen“ nichts mehr zu tun haben
wollten. Auch inhaltlich gibt es weit schlechtere Platten, die
das Oi!-Label für sich beanspruchen. Lediglich der Song
„Commies and Nazis“ ist ein geistiger Tiefpunkt. Sehr sehr
kleinbürgerlich und eine schöne Vorlage für diverse rechtslastige
Grauzone Bands die ja auch gern versuchen, Kommunisten mit
Nazis in einen Topf zu werfen. Wer behauptet, Kommunisten
würden für einen 1-Parteien Staat kämpfen, der beweist nur,
das sein gesamtes Wissen zu diesem Thema offensichtlich aus
der Regenbogenpresse stammt. Da nützt auch der anarchistische
Anspruch nix. Das ist einfach nur dumm. Dennoch bleiben
Oi Polloi bis heute eine der relevantesten Anarcho Punk Bands
und ich bin der Meinung das „United & Win“ einfach schon
deshalb einen festen Platz im Plattenschrank eines jeden
Punk-Rock liebenden Menschen verdient. Auch wenn man sie
(die Band wie die Platte) teilweise kritisch hinterfragen sollte.
Bisher besaß ich das Ganze nur auf CD und ich verspürte keine
Lust einen Haufen Geld für eine der inzwischen raren
Orginalpressungen auszugeben. So kommt mir diese Neupressung
auf Mad Butcher Records sehr gelegen.