Archiv für November 2012

Sally Brown 7″ „Madrid/Boss Nass“

Sally Brown 7″ „Madrid/Boss Nass“
(redstar73)

Eine Ska Band aus Madrid meldet sich
hier mit 2 Songs. Bei dem Bandnamen,
der wohl auf Laurel Aitkens gleichnamigen
Hit zurückzuführen sein dürfte, drängt sich
die Vermutung auf, das es hier recht traditionell
zugeht. Und das bestätigt sich auch,
sobald man den Tonarm in die Rille setzt.
„Madrid“ ist ein schöner, eingängiger Song
mit weiblichem Gesang, der soundmäßig
irgendwo zwischen den jamaikanischen
Vorbildern und der 2Tone Ära angesiedelt ist.
Dreht man das Vinyl um, so bekommt man
mit „Boss Nass“ eine instrumental gehaltene
Nummer zu hören, die den angenehmen
Eindruck abrundet. Intessant finde ich,
das es „Sally Brown“ schon seit 1994 gibt,
und sie in Eigenregie schon mehrere Cds
aufgenommen haben. Sind also keine
newcomer mehr, aber hier zum ersten Mal auf Vinyl,
und das adelt ja schon irgendwie.

Bejarano & Microphone Mafia „per la vita“ REVIEW

Bejarano & Microphone Mafia „per la vita“ (CD – madbutcher)

Das ist doch mal eine recht untypische Veröffentlichung
von Mad Butcher Records. Zumindest musikalisch.
Denn politisch passt das schon. Die Microphone Mafia ist ja
glaube ich schon dem Einen oder Anderem ein Begriff,
und auch wenn Hip Hop nicht so meine Suppe ist, so kann
man doch bei MM leicht erkennen, das hier Leute am Werk sind,
die nicht blöd rumposen sondern schon ernsthaft auftreten
und gegen Rechtsextremismus Stellung nehmen.
Dazu kommt hier aber noch Esther Bejarano mit Familienmitgliedern.
Und das macht das Ganze richtig interessant. Denn Esther Bejarano
ist in ihrer Jugend von den Nazis als „Halbjüdin“ nach Auschwitz
verschleppt worden und überlebte nur, weil sie im dortigen
Mädchenchor spielen konnte. Später gelang ihr dann auf einem
der berüchtigten Todesmärsche die Flucht. Heute macht sie Musik
um die Nazis zu bekämpfen. Und normalerweise nicht mit
Microphone Mafia, sondern mit der Gruppe „Coincidence“,
die antifaschistische und jüdische Lieder zum Besten gibt.
Das antifaschistische Engagement war es dann auch, was die auf
dieser CD zusammengekommenen Musiker gemeinsam haben.
Und das hier die Gegensätze verschiedener Generationen,
Musikrichtungen und dreier Religionen (Islam, Judentum und
Christentum) überwindet. Dürfte wohl auch nicht alle
Tage passieren. Schön gemacht. Die Texte drehen sich somit
vor allem um das Thema, was sie alle zusammengebracht hat.
Der Kampf gegen Faschismus, Diskriminierung und,
daraus resultierend die Entscheidung für das Leben.
Insgesamt eine sehr politische,
eher nachdenkliche Platte. Meine Anspieltipps wären „Avanti Popolo“,
„Viva la Liberta“ und „Deserteur“. Abschließend bin ich mal so frei,
hier mit einem Link zu einem Interview
mit Esther Bejarano in der TAZ zu enden. Lesen!


http://www.taz.de/!52004/