Produzenten der Froide – Interview

CB: Könnt ihr eure Bandgeschichte kurz zusammenfassen?
Immerhin gibt’s euch schon seit 1992. Das ist ne lange Zeit.
Was hat sich verändert, was nicht? Was hat euch bewogen immer
wieder weiter zu machen und auf welche Erfahrungen
hättet ihr lieber verzichtet?

PDF wurden 1992 aus einer Gruppe antifaschistischer Skins und Punks
direkt von der Straße bzw. direkt am Stuttgarter Schlossplatz gegründet.
Damals brauchte man nur einen Kassettenrecorder mit
in den Proberaum nehmen, auf Aufnahme zu drücken und
schon war quasi das Album fertig. Getourt wurde derzeit noch mit
Zügen und jede Menge Anhang. In einer Hand die Gitarre in der
anderen ein Bier begab man sich auf große Reisen und das
5 Jahre lang, bis sich die Band vorerst auflöste. Damals hatte man
das meist 80%ig allgemeine Dumpfbackenpublikum eigentlich auch
schon reichlich satt, bis dann nach 5 Jahren unser Revival kam.
Verändert hat sich seither viel. Die üblichen Dumpfbacken
haben sich vermehrt, und sind sogar noch dämlicher geworden,
bzw. haben sie jetzt auf einmal ihren gemeinsamen Feind, die Antifa,
entdeckt. Früher war es noch der Fascho,
der wird aber heute dann doch durchaus auch mal
akzeptiert. Deswegen haben wir mit der Zeit auch
unsere Konzertpolitik selbst grundlegend
geändert, um uns von einigen Schlappschwänzen, auf die
wir eigentlich eh nie Bock hatten, abzugrenzen.
Können anderen nur raten es uns gleich zu tun, es gibt nichts besseres!
Wir haben aber auch keine Lust mehr, Bands, Booking Agenturen,
versch. Labels und Veranstalter zu unterstützen,
die über die Jahre hinweg, größtenteils wissentlich,
mitgeholfen haben die allgemeine „Messlatte
nach rechts“ woanders anzulegen.
Und auf ihre lächerliche Scheinrebellion schon 3x nicht.
Erspart hätten wir uns nach heutigem Kenntnisstand natürlich
auch das eine oder andere Konzert mit diversen fragwürdigen
Bands wie Vortex, Riot Company, Scharmützel usw. (zwar
nicht in fragwürdigen Läden wie der Moloko Bar, der
Forellenstube, oder der Schwedenschanze, so weit haben wir
es ja nicht getrieben, aber trotzdem), doch auch die Show auf
dem Punk & Disorderly mit Oppressed, bei der ja auch
Stomper 98 auftraten, sowie die „Antifascist Oi! Show“ in
Stuttgart mit den Affen von Discipline, lassen sich nicht
unbedingt in Wohlgefallen auflösen, auch wenn an der Tür
einigen Spezialisten, die am KC-Konzert in Stuttgart teilnahmen,
der Eintritt verwehrt blieb. Nunja, wichtig ist uns jedenfalls,
nicht so weiterzumachen und zur Verschmelzung einer ganzen
Subkultur mit rechts beizutragen, wie es viele mit gutem Gewissen tun.
Als Band gerät man oft in Gefahr zu denken dass man das Feld
nicht für andere freigeben sollte, besonders wenn man noch
nicht so bekannt ist. Mittlerweile fragen wir uns vielmehr in
welchem Feld wir uns eigentlich noch befinden wollen und wer
das Feld denn überhaupt macht. Dass wir nun für einige, deren
Kartenhäuschen langsam zerfällt, die Hassband Nr. 1 sind,
finden wir klasse und ist ein sehr guter
Ansporn weiterzumachen. Wir stehen nämlich nicht auf der Bühne und
spielen Oi! Punk Rock n Roll um Selbstbestätigung, oder neue Freunde zu finden
und den Wochenend-Clown zu spielen, der nur einmal die Woche aus
seinem spießbürgerlichen Leben ausbricht, sondern haben wir unseren
Spaß als wir selbst, mit unserer Crew, mit unserer Family
und nicht als Doi!tschland!

CB: SHARP! Ihr habt nach wie vor ein SHARP Logo auf eurer myspace Seite,
und Songs wie „Bonehead“ unterstreichen das auch musikalisch.
Insgesamt scheint SHARP aber etwas ins Hintertreffen geraten zu sein.
RASH ist gewachsen. Und bei rechten Labels wie DIM Records
prangt sogar auf der ersten Seite der alte SHARP Slogan „neither red nor racist“,
der nur noch gegen Linke verwendet wird (während Nazi Musik natürlich weiter im Angebot ist).
Wie seht ihr die Zukunft von SHARP?

Dass SHARP mittlerweile interpretierbar geworden ist,
finden wir scheiße! Wir haben SHARP anders erlebt.
Da wurde man mit derartigen Aufnähern
von manchen noch als linkes Schwein, o.ä. beschimpft,
denen man dann das Nasenbein brach und die einen
daraufhin anzeigen, oder verklagen mussten, aber zumindest
von der einen oder anderen Blitzbirne, wie z.B. Sebi von Stomper, drauf
angehauen was man denn eigentlich mit dem SHARP-Scheiß will.
Dass man als SHARP mit Rechts
bzw. deren Freunden nichts zu tun haben will,
war selbstverständlich und eigentlich auch geradezu
klargestellt wenn man derartige Aufnäher, oder Buttons trug.
Heute nutzen die, die einst SHARP als „zu links“ einstuften,
selbige Symbolik, um sich die Weste wieder reinzuwaschen, oder Verwirrung
zu stiften. RASH ist gewachsen und wird weiterwachsen,
davon sind wir auch überzeugt, da hier
einfach ein ernsthafter, für manche schon längst überfälliger,
Gegenpol zu dieser miesen Entwicklung geschaffen wird.

CB: Labelwechsel! Ihr seid nun bei Mad Butcher gelandet. Zuvor hattet ihr euch von
Hasscontainer getrennt, später von Contra Records. Bei beiden wohl nicht so sehr im Guten.
Bei Contra heißt es sogar, sie hätten euch rausgeschmissen, weil ihr die Oire Szene Redaktion
unterstützt hättet. Was war da los?

Endlich ein anständiges Label, wir freuen uns!
Mit Red Giants Records, Anfibio und Insurgence
machen wir übrigens auch noch rum! Hasscontainer is out!
Da uns das alles ein bischen zu schizophren wurde wenn er auf der einen
Seite Geld für Moskau sammelt, jedoch auf der anderen
Seite die Grauzone supportet und aus alten Fehlern
(w.z.B. Vortex) einfach nicht lernt. Dass er dann
auch noch zum Trotze Grauzonenkonzerte in unserer
Stadt veranstalten wollte, ließ den Geduldsfaden entgültig reißen.
Womöglich liegt ein Teil des Problems aber auch an der jahrelangen
Zusammenarbeit mit MAD gepaart mit
großer Faktenresistenz und eigenem
generellen Unbewusstsein. Wie dem auch
sei, die Trennung von Hasscontainer war
längst überfällig und wir sind froh!
Contra haben uns nicht rausgeschmissen,
das war dann mehr ein fast
stillschweigendes Auseinandergehen, da
vermutlich beide Seiten merkten dass die
Reise in unterschiedliche Richtungen
geht, bzw. ja eigentlich klar war, dass es
uns auf die Dauer doch etwas
Magenschmerzen bereiten wird, mit
anderen fragwürdigen Bands das Label zu
teilen. Also mir persönlich liegt vom
„Contra-Chef“ nichts vor, wie in etwa
„ihr fliegt jetzt raus weil ihr Oire Szene
supportet“ Kein Plan wer da wieder
Sachen besser wissen will als die
Betroffenen selbst, aber von einem
Rausschmiss und das wegen Oire Szene,
war nie die Rede, zumindest nicht uns
gegenüber.

CB: Eure Tour mit Red Alert!!!! Selbige sind ja eine alte englische Oi! Legende, die für viele
sozialkritische Texte steht. Allerdings werden sie auch oft auf exzessive Saufgeschichten
reduziert, bzw. tragen wohl auch selbst ein „wenig“ dazu bei. Wie habt ihr die Band
wahrgenommen?

Red Alert sind herzensgute Alkoholiker, die wir auf unseren gemeinsamen Touren doch sehr lieb
gewonnen haben. Innigere Gespräche waren möglich und wir hatten viel Spaß mit ihnen. Wir stehen
auf ihre Musik und deren Inhalt. Werden sicher auch bald mal wieder zusammenfinden, aber
bestimmt nicht über Hasscontainer. Mit Steve mal über die allgemeine Grauzonenproblematik zu
reden, scheint mir gerade auch als sinnlos, da er sich durch Hasscontainer ohnehin zwischen 2
Stühle gestellt fühlt.

CB: Ihr habt ja auch eine Split Platte mit Red Alert gemacht…und euch gegenseitig gecovert.
Red Alert haben euren Song Lazy Boy gecovert und ihr habt aus Somewhere in England -
Somewhere in Stuttgart gemacht. Warum habt ihr diesen Song ausgewählt, und ihr habt ja
auch ein bischen was am Text geändert?

Somewhere in England ist einer unserer Favoriten.
Sound und Message geht ab! Quasi ein anti-
(lokal-) patriotischer Song den wir
gern nutzen wollten, mit einem
deutschen Text, den wir uns
kurzerhand zurechtbastelten.

CB: Was bei euch auffällt, ist das
ihr einige sehr gut gemachte
Videos auf eurer Webside habt,
wobei speziell das Video zum Sex
Pistols Cover „Rock n Roll
Schwindel“ einfach genial
gemacht ist. Hattet ihr
professionelle Hilfe oder direkt
einen Künstler in der Band?

Alles im Prinzip DIY in
Kooperation mit professioneller
Hilfe von Sabotakt Filme Tarek, ein
alter Freund. Story und Szenen
haben wir uns gemeinsam
erarbeitet.

CB: Ihr wart auch auf dem The Oppressed Tribut Sampler von
Skinhead Revolt Records vertreten. Wie kamt ihr in Kontakt?
Konntet ihr euch euren Song frei auswählen? Warum
habt ihr „Skinhead Times“ genommen?
Ich finde ja, er hat einen wirklich sehr sehr guten
Text…

Skinhead Revolt kontaktierte uns und bat uns um einen Beitrag zum Oppressed Tribute Sampler,
was wir gern annahmen. Wir suchten uns Skinhead Times aus, da der Song wie zugeschnitten zur
aktuellen Problematik ist, die es ja nicht erst seit gestern gibt.

CB: Gibt es zu dem Macher des Samplers noch Kontakt? Neben vielen Perlen (und der
unterstützenswerten Idee) gibt es auch einige Bands auf dem Sampler die nicht unumstritten
sind. Die sind jetzt nicht rechts, aber Horrorshow sind auf einem RAC Sampler vertreten
gewesen und Ultimatum bringen ihre Platten ausgerechnet auf KB Records raus. Gab es mit
SR-Records da mal Diskussionen?

Ich habe mit ihm diesbzgl. Kontakt aufgenommen und ihm ans Herz gelegt so ne Scheiße nicht zu
unterstützen, es gestaltet sich jedoch teilweise auch schwierig das Leuten auf englisch
klarzumachen, wenn es ja ein Großteil der Deutschen noch nicht mal rafft, oder raffen will. Man
lässt sich eben auch schnell reinlegen von plakativen „Love Music Hate Fascism“ – Stempeln. Das
würde einer der rechtsoffen bis rechts ist, ja niemals tun, sich so eine Blöße zu geben und mit der
Symbolik des Feindes zu hantieren. Denkste! Die Realität sieht anders aus, und leider übersieht man
da auch mal dass so was gern gegen Links umgemünzt wird, bzw. erkennt es nicht, da es nicht so
offensichtlich gemacht ist, dass auch ein Engländer es auf Anhieb merken könnte, der keine Ahnung
vom eigentlichen Ausmaß unserer doitschen Fencewalkergesellschaft hat.
CB: Eure Tour in die Türkei! Ist ja immernoch etwas Besonderes. Wie habt ihr da Kontakte
geknüpft? Welchen Eindruck hattet ihr von dem Land und der Szene dort? Unterscheidet sie
sich sehr vom Rest Europas?
Wird bei Gelegenheit wiederholt! Kontakt bestand hier zu den Ofisboyz (R.I.P), die uns ein paar
Shows dort klargemacht haben.
Die Szene an sich unterscheidet sich eigentlich nicht von dem Rest Europas, ich denke aber dass
Tattoos, Miniröcke, oder Skingirl Cuts, dort nochmal ne Nummer schärfer provozieren als bei uns,
bzw. dass man dort so auch gefährlicher lebt. Gefährlich kann es dort aber auch für KBler werden,
die enttarnt wurden an Faschokonzerten teilgenommen zu haben. Da kann man dann auch mal die
Beine in die Hand nehmen und abflitzen! Wir wurden dort auch sehr oft gefragt was denn eigentlich
in Deutschland los ist, warum wir, als Deutsche, ihre Brüder und Schwestern anzünden…
Alles in Allem aber ein sehr guter Trip, bei dem wir viel Spaß hatten.

CB: Gibt es schon planmäßig geplante Zukunftspläne? Immerhin, wenn ich nicht falsch
rechne, dann müsste ja bald ein 20jähriges Bandjubiläum auf euch zurollen?

Wenn die Welt bis dahin noch nicht untergegangen ist, lassen wir uns zum 20. sicher wieder was
Gutes einfallen. Ansonsten lassen wir mal alles auf uns zukommen.

CB: Die Bonusfrage: Euer Klassiker „Golden Shower – White Power“! Basiert der auf einer
wahren Begebenheit? Und wie geht ihr mit dem Vorwurf um, das durch die antifaschistische
Vereinnahmung einer ursprünglich unpolitischen Tätigkeit, wie das Urinieren, nun die
Gefahr besteht, das unpolitische Skinheads reihenweise mit Nierenschäden in die
Notaufnahme eingeliefert werden könnten, da ihnen das Pissen inzwischen zu politisch
geworden ist?

Wahre Begebenheit! Ein Kumpel von mir hat mal am
Ludwigsburger Bahnhof 2 schlafenden Faschos die
Fresse vollgepinkelt, die dann pissespuckend und
noch völlig schlaftrunken türmten. Wenn nun einige
unpolitische Skins Nierenschäden davontragen
werden, oder nur noch aus dem Arsch pissen wollen,
weil ihnen das Pissen an sich zu politisch geworden
ist, nehmen wir das natürlich auf uns und werden
diese Last mit durchs Leben tragen!