Joker Face

CB: Kurz zur Entstehungsgeschichte der Band.
Die technischen Daten sozusagen :) Wann habt ihr
euch gegründet? Wie kamt ihr auf den Namen? Auf eurer
myspaceseite hab ich gelesen das ihr als
Punk Band angefangen habt. Wie seit ihr dann
zum Ska gekommen und wo seht ihr eure
musikalischen Einflüsse?

JF: Wir haben uns im Sommer 2004 gedacht, wir gründen ne Band.
Gesagt getan, und schon hatten wir eine
kleine Punk-Kombo zusammen! Von den Gründungsmitlgliedern sind nur
noch Trutz und Andi übrig, da wir seit
der Gründung ständig die Besetzung wechselten. Also nur um das zu klären,
unseren Namen gabs schon vor „LadyGaGa“ ;) Der Name entstand beim
Kartenspiel, wie könnte es anders sein, nur dass wir einfach das Wort
„Joker“ benutzten. Wir haben 2 Jahre später einfach das Trojan-Logo
hergenommen und dem ganzen eine Jokermütze aufgesetzt und schon hatten
wir das perfekte Logo! Wir haben zu Beginn schlechten Punk gespielt,
wie die meisten neu gegründeten Bands, doch schon bald wurde uns das
zu langweilig und wir bekamen mit Patrick, der heute in Berlin lebt, unseren
ersten Saxophonisten. Von da an haben wir uns nur mehr auf die Ska-
Musik konzentriert. Es kam noch erschwerend hinzu, dass die Hälfte der
Band aus Skins bestand, und wir uns immer mehr für den Ska begeistern konnten!
Einflüsse bekamen wir vor allem auch von einer anderen
Südtiroler Band, den „Club 99″, von denen wir zu Beginn sogar Lieder gecovert hatten!
Wir fingen an, einen gewissen Stil zu entwickeln, den man auch auf unserer CD hört,
der ziemlich an moderne Bands angelastet ist.
Doch versuchten wir die letzten 2 Jahre unseren Stil an den alten,
traditionellen Ska anzupassen.

CB: Die beiden Songs „War on the Street“ und „Voice of the Streets“,
die beide sehr geil abgehn, könnte man sich auch als Punk Songs vorstellen.
Stammen die noch aus den punkigeren Anfängen? Bei „War on the Streets“
kommt ja sogar das Wörtchen Oi! immer wieder vor, was ja
für Ska Songs recht ungewöhnlich ist?

JF: Danke fürs Kompliment. Diese Lieder stammen tatsächlich aus den
früheren Jahren der Band. Wir haben sie allerdings immer wieder verfeinert und
uns auch dann entschlossen sie auf die CD raufzumachen, obwohl die
Lieder schon 2 Jahre alt waren. Ich glaube auch, dass man den Stil-Unterschied
hört, im Gegensatz zu den anderen Songs auf der CD. Im Song „War on the Streets“
stellen wir eine typische Kneipenschlägerei dar, wie sie bei uns in Südtirol häufig vorkommt,
und wir auch selbst schon oft hineingeraten sind. Das Wort „Oi!“ ist auf
unser damaliges Skinhead-sein zurückzuführen. Es hatte sehr viel mit Zusammenhalt
zu tun, da wir gerade in Südtirol uns schwer taten eine Szene aufzubauen.
Da bezeichnete man sich als „Oi!“ um nicht gleich wieder mit
Nazis gleichgenannt zu werden. In unseren jüngeren Jahren war „Oi!“
einfach gleich Teil der Skinhead-Szene
wie Ska und Reggae. Hat sich inzwischen aber auch geändert…

CB: Ihr stammt ja aus Südtirol, ein Landstrich der zu Italien gehört
und zu dem den meisten Leuten auf Anhieb (außer JokerFace) noch folgendes einfällt:
schöne Landschaft, Tourismus, wenig Arbeitslose aber auch Schwachmatenbands
wie Unantastbar und Frei.Wild die am liebsten die Böhsen Onkelz beerben möchten..
Was gibt es sonst noch über Südtirol zu wissen und wie ist
die Szeneinfrastruktur dort? (Bands, Fanzines, Labels, Konzertlocations..)

JF: Haha, haste wohl recht… besonders mit Tourismus und den Schwachmatenbands…
Südtirol ist totes Land im Bezug auf Szene und Konzerte. Vor ca 6 Jahren hatten wir
einen ziemlichen Szene-aufschwung und jeder war entweder Punk oder Skin, aber das
hielt vielleicht 1 Jahr dann man wieder allein. Zu der Zeit hatten wir viel
Gelegenheiten in Jugenzentren zu spielen oder auch Konzerte zu organisieren,
wie zum Beispiel die nun schon zum 5ten mal stattgefundndene „RudeRootsNight“.
Doch nach einiger Zeit wurde es immer schwerer eine
Location für unsere Konzerte zu finden. Bis auf einige größere Festivals in Südtirol
war wirklich selten was los. Vor ca. 2 Jahren begannen wir uns selbstständig zu machen,
wir mieteten Räume um Nighters zu machen,
ladeten Bands zu uns nach Südtriol ein, versuchten einfach die Szene wieder
aufleben zu lassen. Unser größter Erfolg ist unser „OstWestClub“, den wir seit
ca 1 Jahr selbst verwalten und können nun endlich
Konzerte/Nighter/Vorträge machen wann wir wollen.
Auch haben wir begonnen Geschriebenes von engagierten
Leuten zu sammeln und ein kleines „Fanzine“ zu machen. Wir
sind auf einem gutem Weg!

CB: In dem Song „a piece of my way of life“ nehmt ihr
gegen Rassismus Stellung und auf Fotos seid ihr auch mit
einer SHARP Fahne zu sehen. Für viele Leute ist SHARP
schon Geschichte und mit dem Logo schmücken sich
zuweilen auch recht zweifelhafte Bands wie Hard Times
z.B.. Wie seht ihr die Zukunft von SHARP?

JF: Antirassismus und Antifaschismus nimmt bei uns einen sehr
großen Stellenwert ein. Schon nur allein desswegen weil wir in
Südtirol leben und es von deutschsprachigen Nazis, italienischen
Faschisten und Patrioten beiderseits nur so wimmelt. Ich glaube
das können sich die Wenigsten vorstellen wie es bei uns in
Südtirol zugeht. Wir müssen uns jeden Meter, den wir als
alternative Jugend vorwärtsgehen, schwer
erkämpfen, denn die Jahre vorher war nicht ein Hauch einer
Subkultur in Südtirol und man stößt überall auf
Unverständniss und Intolleranz. In anderen Ländern/Orten besteht
meistens irgendwo schon eine Szene, an die
man sich anlehnen kann. Warum wir uns auf
SHARP beziehen ist auf die ganze Italienische Szene
zurückzuführen. Wenn man auf ein Ska-Konzert oder
Ähnliches in z.b. Mailand oder Bologna fährt, haben zu
90% alle Skins einen SHARP-Aufnäher oder Button, egal
ob RASH-, TROJAN- oder Oi!-Skin. Das hat uns schon
seit langen beeindruckt und geprägt. In jeder
größeren Stadt gibt es „SHARP-Gangs“ die in direkter Aktion
gegen Faschisten vorgehen, obwohl vielleicht die Skinheads
selbst oft „unpolitisch“ sind! Deshalb beziehen auch
wir uns als Band auf SHARP. Was andere Bands mit der
Fahne machen wissen wir nicht und können auch nichts
dafür, wir werden deshalb SHARP sicher nicht den Rücken kehren,
da es in Italien noch lange Bedeutung haben
wird.

CB: In „a piece of my way of life“ heißt es auch unter
anderem „I don`t know, but maybe its the
same like 1969, but I know, I can never be the same,
like these guys in 1969.“ Das hört sich
interessant an. Könnt ihr darüber noch etwas mehr sagen?

JF: Eigentlich genau das was es überstetzt heisst: wir wissen
nicht ob es das gleiche Gefühl (Skinhead-sein) ist
wie damals, aber wir wissen, auch wenn es so ist, werden
wir niemals so sein können wie damals. Es war
einfach eine andere Zeit. Wir versuchen den Geist von 69
wieder aufleben zu lassen, mit Nighter, Ska-Konzerten
oder Vespa-Runs… aber man kann diesen Geist nur nachempfinden,
aber nie wieder „neu erfinden“ bzw so
fühlen wie damals. Wir haben auf unseren Konzerten usw.
viele andere Szenen kennengelernt, und es fällt auf
dass immer weniger Leute wirklich noch an diesen „Spirit of 69″ glauben.
Die Szenen werden immer öfter
aufgeteilt, gespalten, differenziert… und das schadet auch dem
gesamten Skinhead-Kult. Aber die Meinungen
darüber gehen ja bekanntlich weit auseinander ;)

CB: Eure Debüt CD habt ihr meines
wissens ja selbst produziert. Jetzt hab
ich gelesen, das ihr mit Diffidati ein
Label gefunden habt. Wie sieht es mit
Veröffentlichungen aus? Kommen neue
Sachen? Und welchen Stellenwert hat
für euch Vinyl?

JF: Wir haben 2007 unsere erste CD „…a piece
of my way of life…“ aufgenommen. Wir haben
die mit Konzerten hart verdienten Euros in
diese Produktion gesteckt und auch sonst alles
selber designt und entworfen. Sind aber sehr
zufrieden mit unserer Arbeit, obwohl die CD
inzwischen ziemlich veraltet ist. Deshalb
werden wir versuchen dieses Jahr noch ein
neues Album aufzunehmen. Ja, wir haben
auch schon eine Deutschlandtour mit dem
Würzburger Label gemacht und wir hoffen
dass bald eine zweite folgt^^
Vinyl hat für einen Teil von uns einen sehr
hohen Stellenwert. Andi und Trutz haben auch
ein Dj-Set, den „BlueBeatFoundation“ die nur
mit Vinyl auflegen. Aber für die Band im
allgemeinen ist es vielleicht noch ein wenig zu
früh um Vinyls zu produzieren. Mal sehen wie’s
mit der zweiten CD aussieht, dann könnte man
dies nochmal überdenken.

CB: Letzte Worte und Zukunftspläne?

JF: Hmmm… erstmal danke für’s Interview und dass sich
überhaupt jemand für uns interessiert! Wir haben nun
in den nächsten Monaten verschieden konzerte in Italien,
Österreich und auch 2 in der Schweiz und wir hoffen
wir kommen auch bald wieder nach Deutschland.
Haltet die Szene zusammen, immer schön Ska höhren und
den Faschos aufs Maul… JokerFace, keeper of the
faith :)

ska from the alps